Wehe, wenn sie losgelassen

 

Die Schaubühne präsentierte am Samstag die Premiere von "Die acht Frauen" im Bürgerhaus Das rein aus Amateuren bestehende Ensemble der Schaubühne überzeugte am vergangenen Samstag im Bürgerhaus mit einer runden Aufführung der mörderischen Kriminal-Groteske "Die acht Frauen". Neunkirchen.

Es gibt nur eine böse Frau auf der Welt. Aber jeder Mann glaubt, es sei seine - sagt zumindest ein Sprichwort aus Litauen. Nun, der Hausherr des verschneiten Landsitzes in der französischen Provinz, Schauplatz der Kriminal-Groteske, hat ihrer gleich acht. Acht Weibsbilder, deren Anstand und Moral bei näherem Hinschauen abblättert wie zu alter Nagellack. Dabei beginnt doch alles schrecklich harmonisch: An einem friedlichen Wintermorgen kehrt die Studentin Susanne (Julia Falk) aus England heim, um im Schoße der Familie Weihnachten zu feiern. Alle, alle sind sie da: Eltern (Angela Heintz als Gaby) und Schwester (Helena Rammo), Tante und Großmutter und das Hauspersonal (Karin Kremer als Madame Chanel und Bärbel Waldura als Louise).

Man ist ein Herz und eine Seele - für circa zehn Minuten. Dann offenbaren sich die Spannung zwischen den mehr oder weniger freiwillig unter einem Dach Lebenden (plus der sich im Laufe der Handlung dazu gesellenden Pierrette alias Susanne Günnewig). Als das Zimmermädchen den einzigen männlichen Bewohner mit einem Messer im Rücken in seinem Zimmer entdeckt und sich heraus stellt, dass man im Haus ohne Verbindung zur Außenwelt festsitzt, wird klar - eine der acht Frauen muss die Mörderin sein.

Ähnlichkeiten zum Film

Obschon es sich um ein Boulevard-Theaterstück von Robert Thomas aus den Siebzigern handelt, werden Cineasten vor allem Vergleiche zu dem gleichnamigen Film von François Ozon aus dem Jahr 2002 ziehen. Diesem kommt die Schaubühne-Version tatsächlich sehr nahe. Regisseurin Bettina Mick, assistiert von Iris Bettinger und Maria Backes, unterbricht die Handlung mehrmals, um die Darstellerinnen einen Chanson singen zu lassen. Während die anderen Akteure wie eingefroren verharren, interpretieren sie, begleitet von Carina Peitz am Klavier, Ohrwürmer a la "Wenn ich mir was wünschen dürfte" oder "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre".

Besonders reizvoll ist die "Verwandlung" der Margarete Gampper: Vor einer Woche bei der Homage an Hildegard Knef in der Reithalle noch die betörende, lebenslustige Diva, ging sie als Mamy sichtlich ergraut steif am Stock. "Für mich soll's rote Rosen regnen" interpretierte statt ihrer Anja Burg-Panther - die Entdeckung des Abends.

Mit überschwänglichem Pathos gab sie die "vertrocknete Frucht" Augustine und provozierte damit wahre Heiterkeits-Ausbrüche im mehr als gut gefüllten Saal. Mit gesundem Appetit versehen und auch sonst das blühende Leben, mimte sie die bedauernswerte Kranke, die schon mal auf den Windbeutel ihrer Nichte hustet, um ihn zu ergattern. Herrlich, wie die ältliche Jungfer ihre noch ältere Mutter über den imaginären Tanzboden schleift oder sich, vor dem fast stündlich zelebrierten Ohnmachtsanfall schnell umschaut, ob auch wirklich genügend Leute zum Auffangen bereit stehen.

Insgesamt überzeugte das rein aus Amateuren bestehende Ensemble mit einer runden Aufführung in einem ansprechenden Bühnenbild. Am Ende wurde viel geklatscht und noch mal herzhaft gelacht - präsentierten die Damen doch in "The best of"-Manier die köstlichsten Szenen in einer Art Standbild-Abfolge. nig